Willhaben (und mussreparieren)

Wie bereits geschrieben, war ich seit 2013 immer wieder mal auf der Suche nach einem CBM 8296-D. Anfang 2017 habe ich mir zwar einen CBM 710 gekauft, aber ich habe trotzdem immer mal wieder geschaut, ob – und zu welchen Preisen und welchem Zustand – CBM-8296(-D) auf den verschiedenen Online-Marktplätzen angeboten wurden.

Der CBM 8296(-D) ist in einigen Aspekten eine Besonderheit:

Am 27.12.2018 habe ich dann zufällig eine Anzeige auf willhaben.at entdeckt, in der ein CBM 8296 mit dem Doppeldiskettenlaufwerk CBM 8250LP angeboten wurde. Die Fotos in der Anzeige sahen vielversprechend aus:

CBM 8296 mit CBM 8250LP  CBM 8296 mit CBM 8250LP  CBM 8296 mit CBM 8250LP

Funktionstest  8250LP Closeup  CBM 8296 Typenschild

In der Anzeige stand ebenso vielversprechend: SEHR GUTER ZUSTAND! FUNKTONSTÜCHTIG! VHB: € 550,- ODER GERNE EIN ANGEBOT! :-)

Nun, mit 550,- € nicht gerade ein Schnäppchen, aber die Anbieterin war ja verhandlungsbereit. Also dachte ich mir – ganz ohne konkretes Interesse an den Geräten – ich könnte ja mal ein mit 330,- € fast schon unverschämt niedriges Gegenangebot unterbreiten. Begründet habe ich das mit der Problematik der auslaufenden, korrosionsverursachenden Elkos bei der 8250LP, die eine aufwendig Überholung der beiden Laufwerke erforderlich macht, und damit, dass ich die Geräte selbst vor Ort in Kufstein abholen würde. Die Anbieterin kam mir preislich sehr schnell mit 400 € entgegen und ich bekam immer mehr das Gefühl, dass es sich bei dem Rechner um ein Gerät aus erster Hand handeln würde. Meine Hoffnung auf zugehörige Software oder Handbücher wurde allerdings leider enttäuscht. Trotzdem war ich am nächsten Tag soweit, dass ich den Rechner haben wollte. Ich akzeptierte den Preisvorschlag von 400 € und sagte zu, am Wochenende die Geräte abzuholen.

Am Sonntag (30.12.2018) brachen meine Frau und ich zu einem gemeinsamen Roadtrip nach Kufstein auf. Der Plan war, sich ein bisschen Kufstein anzusehen, dort was Leckeres zu essen, nebenbei die Geräte abzuholen und gemütlich wieder nach Hause zu fahren. Leider spielte das Wetter nicht mit, so dass außer Nebel und Regen von der Landschaft und Kufstein kaum etwas zu sehen war. Highlight war das Mittagessen beim Restaurant Purlepaus direkt im Zentrum von Kufstein. Direkt nach dem Essen holten wir dann den Rechner und die Diskettenstation ab. Die Übergabe erfolgte (etwas seltsam) aus einem Wohnwagen heraus, so dass ich die Sachen nicht mehr vor Ort testen konnte. Lt. Anzeigentext sollten die Geräte aber ja funktionieren und auf den Fotos taten sie das ja auch. Die Verkäuferin war sehr nett und erzählte noch, dass sie (bzw. ihr Vater) erst unlängst bei der Auflösung einer Videothek an den Rechner gekommen waren. Offenbar war der Rechner viele Jahre lang in dieser Videothek genutzt worden. Es handelte sich also leider nicht – wie ursprünglich vermutet – um ein Ersthandgerät, aber die Geschichte mit der Videothek war auch ganz nett. Obendrein steckten in den beiden Diskettenlaufwerken vielversprechenderweise zwei Disketten mit der Aufschrift PROGRAMM bzw. FILME. Evtl. war ja auf den Disketten noch mehr Historie zu dem Rechner vorhanden? Als Goodie gab es noch zwei IEEE488-Verbindungskabel (1x mit Edge-Connector zum Anschluss an den CBM). Diese sind heutzutage auch nicht gerade günstig zu haben (ok, waren sie früher auch schon nicht).

Zu Hause angekommen folgte dann erstmal eine herbe Enttäuschung: Der CBM 8296 funktionierte augenscheinlich einwandfrei, aber die Diskettenstation CBM 8250LP verfiel nach dem Einschalten sofort in eine Blinksequenz (5x Blinken der roten LEDs). Beim Ausschalten liefen immerhin die beiden Laufwerksmotoren kurz an, was vermuten ließ, dass zumindest die vom Netzteil gelieferten Spannungen in Ordnung sein würden. Eine Websuche bzw. die Suche auf den einschlägigen Commodore-Historie-Websites förderte relativ schnell das 8050/8250-Reparaturhandbuch zutage. Dieses enthält einen übersichtlichen “Troubleshooting Guide”, der die häufigsten Fehlersymptome und deren wahrscheinlisten Ursachen benennt. Die Blinksequenz wird in der “Power up diagnostic flash code”-Tabelle beschrieben:

Power up diagnostic flash code Tabelle

5x Blinken = Zero Page “kaputt”, vermutliche Ursache 6502 (CPU) oder 6530 (RRIOT). Da ich den MOS 6530 (RRIOT) nicht wirklich kannte, habe ich erstmal bei den “Commodore PET / CBM Enthusiasts” auf Facebook um Rat gefragt. Dort war man sich schnell einig, dass das Laufwerksproblem zu 99% von einem defekten 6530 versursacht wurde. Wie so oft bei Commodore, ist es mit diesem Baustein nicht so einfach: Der RRIOT besteht aus RAM, ROM, I/O und Timer. Da der Chip ein ROM enthält (und darüber hinaus wohl auch noch weitere “Konfigurationsparameter” bei der Produktion einmalig individualisierbar sind) kann man ihn nicht gegen einen beliebigen, anderen 6530 ersetzen. Man muss einen 6530 mit demselben ROM-Inhalt (und derselben “Konfiguration”) finden, oder man kann eine Zusatzschaltung bauen, die in den Sockel des ursprünglichen 6530 gesteckt wird, jedoch die RAM, I/O und Timer-Funktionalität über einen MOS Technology 6532, die ROM-Funktionalität aber über ein selbst zu brennendes EPROM bereitstellt. Aufgrund der individuellen ROM-Inhalte des 6530, hat der 6530 in der CBM 8250LP die Commodore-Bezeichnung 901885-04. Und weil Commodore offenbar alte Bestände anderer 6530 nicht wegschmeissen wollte, haben sie in den Laufwerken CBM 8250LP und SFD1001 serienmäßig eine Huckepack-Platine eingebaut, die einen 6530 und ein zusätzliches (EP)ROM enthält, dessen Inhalt den ROM-Inhalt des 6530 ersetzt:

Huckepack-Platine in CBM 8250LP

Eine weitere Recherche ergab, dass sowohl Ruud Baltissen als auch Dave Curran (von Tynemouth Software) Adapterplatinen entwickelt haben, um defekte 6530 gegen 6532 + externem ROM zu ersetzen. Ich dachte also, ich könnte den in meinem Laufwerk vermutlich defekten 6530 (bzw. 901885-04) gegen die von Tynemouth Software als fertige Platine inkl. vorprogrammiertem ROM angebotene Ersatzplatine tauschen. Meine Anfrage bei Dave Curran diesbezüglich wurde von ihm prompt beantwortet, leider zerstörte die Antwort meine Hoffnung:

My board is designed to replace a 6530 with a 6532 and a ROM chip. The factory board is designed to replace a 6530 with a different 6530 and a ROM chip. It is possible that the original 6530 on your board has failed, but you are correct that there would not be sufficient space to install my board either in place of the factory one, or onto it. Sorry, I don’t think this will help the 8250 LP.

Auf der Suche nach einer Reparaturlösung für die (gegenüber der CBM 8250) kompaktere 8250LP stieß ich dann zufällig auf dieses Angebot bei eBay:

901885-04 auf eBay

Das sah so aus, als würde hier wirklich jemand den von mir benötigten 6530 (901885-04) NOS (= new old stock/neu aus altem Lagerbestand) anbieten. Der Angebotstitel “IC 901885-04 901887-04 Commodore VIC-20 VIC Integrated” war zwar völlig irreführend aber auf dem Foto war definitiv ein 901885-04. Der Kaufpreis von 33,50 € (inkl. Versand) erschien mir ein überschaubares Risiko und ich griff zu. Jetzt konnten noch drei Dinge passieren:

  1. Der Anbieter würde einen anderen Chip (901887-04?) liefern
  2. Der gelieferte Chip könnte defekt sein
  3. Der gelieferte Chip wäre nicht defekt, würde das Problem meiner 8250LP aber nicht beheben

Wie ich 2. und 3. überhaupt diagnostizieren sollte, war mir noch völlig unklar. Glücklicherweise war das nicht weiter nötig, denn als der Chip am 05.01.2019 bei mir ankam setze ich ihn umgehend in seinen Sockel und – TADAAAA – die 8250LP funktionierte wieder:

910885-04 alt (oben) und neu (unten)

Die Verkäuferin hatte ich zwischenzeitig darüber informiert, dass das Laufwerk defekt war. Sie hat mir aber mehrfach versichert, dass es bei dem Test durch ihren Vater noch nicht das 5malige Blinken zeigte und noch funktioniert hat. Sie war wirklich nett und dann auch froh, also ich ihr mitgeteilt habe, dass sich der Fehler durch denn zufällig schnell beschaffbaren 901885-04 beheben hat lassen.

Was die 8250LP jetzt noch braucht ist eine gründliche Reinigung und den Austausch der Elkos auf den Motorplatinen.

CBM 8250LP - front  CBM 8250LP - top  CBM 8250LP - bottom - Seriennummer WG 1137

Nun konnte ich also endlich beginnen, den Inhalt der beiden Disketten zu erforschen und mich intensiv mit dem CBM 8296 zu beschäftigen. Aber das ist wieder ein andere Geschichte…

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