Erstellen von Disk-Images mit CBM-Command

Nachdem ich mich nun hardwaremäßig mit dem sd2iec SD-Kartenlaufwerk für meinen C128D vertraut gemacht habe kann ich nun damit beginnen, meine größtenteils mehr als 20 Jahre alten Disketten in Disk-Images umzuwandeln.

Für diesen Zweck habe ich die Software CBM-Command ausgesucht. Für CBM-Command sprechen folgende Aspekte:

  • Moderne Software (der aktuelle Build 2.2 – RC2 wurde am 16. April 2013 veröffentlicht)
  • Open Source (kann von anderen weitergepflegt werden, sollten die Initiatoren keine Zeit mehr für das Projekt aufwenden können/wollen)
  • Unterstützung für klassische und moderne Hardware und Software (z.B. JiffyDOS-Unterstützung)

Leider hat die Software auch drei Nachteile, die für mich derzeit jedoch nicht besonders schwer wiegen:

  • Keine Unterstützung für g64-Disk-Images (also keine Unterstützung für kopiergeschützte Disketten)
  • Keine Unterstützung für Informationen über fehlerhafte Sektoren in Disk-Images
  • Keine Unterstützung für zusätzliche Spuren auf Disketten bzw. in Disk-Images
Einstieg

CBM-Command ist an den Stil des klassischen Dateimanagers “Norton Commander” angelehnt. Der Bildschirm ist in zwei Panels aufgeteilt, in denen jeweils der Inhalt eines Datenträgers, eines Verzeichnisses oder eines Disk-Images dargestellt wird. Im 80-Zeichen-Modus des C128 werden die Panels nebeneinander dargestellt, im 40-Zeichen-Modus des C128 und des C64 erfolgt die Darstellung untereinander. Zwischen den beiden Darstellungen kann im 40-Zeichen-Modus mittels Druck der Taste ‘i’ umgeschaltet werden.

CBM-Command Bildschirm

Nach dem Programmstart wird zunächst nur das Panel mit dem Inhalt der Diskette, von der CBM-Command geladen wurde, angezeigt. Über die Tastenkombination SHIFT-d wird ein Laufwerks-Auswahldialog für das zweite (rechte, bzw. untere) Panel angezeigt. Die Taste ‘d’ zeigt die Laufwerkauswahl für des linke (bzw. obere) Panel an.

CBM-Command Laufwerksauswahl

Mit den Cursortasten (←↑→↓) kann innerhalb bzw. zwischen den beiden Panels navigiert werden. Dabei zeigt ein kleiner Pfeil (>) das jeweils aktive Panel und die aktuelle Zeile innerhalb des Panels an. Durch Druck der LEERTASTE wird die aktuelle Zeile selektiert bzw. die Selektion der Zeile aufgehoben.

Die Tastenkombination SHIFT-Plus dient dazu, bei Laufwerken mit Unterstützung von Verzeichnissen in ein Verzeichnis zu wechseln. Mittels SHIFT-Minus verlässt man ein Verzeichnis und wechselt in das übergeordnete Verzeichnis zurück. Die gleichen Tastenkombinationen können auch genutzt werden um vorhandene Disk-Images (z.B. d64-Images) zu “mounten” bzw. zu “unmounten”. Beim sd2iec ist zu beachten, dass hierfür zunächst ein spezieller Modus konfiguriert werden muss. Dies geschieht mit dem sd2iec-Firmwarebefehl XInum und ist hier beschrieben.

Um nun ein Disk-Image einer Diskette zu erstellen ist wie folgt vorzugehen:

  • Mit ‘d’ und SHIFT-d Quell- und Ziel-Laufwerk für die beiden Panels auswählen (z.B. Quelle VC1571, Ziel sd2iec).
  • Ggf. mit SHIFT-Plus und SHIFT-Minus am Ziellaufwerk in das gewünschte Unterverzeichnis navigieren
  • Durch Cursornavigation (←↑→↓) das Panel, welches den Inhalt der Quelldiskette zeigt, zum aktiven Panel machen (auf ‘>’-Markierung achten).
  • Mit ‘x’ die Imageerzeugung starten.

CBM-Command prüft nun das Format der Diskette und fordert zur Eingabe eines Namens für die Image-Datei auf. Ist das DIskettenformat CBM-Command nicht bekannt wird eine Fehlermeldung angezeigt (Unsupported format).

Hinweis:

CBM-Command verwendet zur Prüfung des Diskettenformats das DOS version byte im BAM-Sektor (offset $02). Wenn der Wert dieses Bytes nicht $41 und nicht $00 lautet kann eine VC1541 die Diskette zwar lesen, lässt aber keine Schreibzugriffe zu. Aus diesem Grund kann dieses Byte dazu verwendet werden, um einen “weichen Schreibschutz” zu aktivieren. Auf diese Weise geschützte Disketten können von CBM-Command erst nach aufheben dieses Schutzes in ein Disk-Image konvertiert werden. Dazu kann das Tool “Disk-Monitor” verwendet werden.

Ein vorliegendes Disk-Image wird per SHIFT-x zurück auf eine Diskette geschrieben (wobei der ursprüngliche Inhalt der Diskette natürlich verloren geht).

Tipps

Hat man einen C128 und ein Laufwerk das den Burst-Modus unterstützt (VC1570, VC1571 oder VC1581 bzw. moderne Hardware wie das sd2iec), so empfiehlt es sich, CBM-Command im C128-Modus zu betreiben, um die maximale Datenübertragungsgeschwindigkeit zu nutzen.

Treten bei der Image-Erzeugung Lesefehler auf (z.B. weil einzelne Sektoren der Diskette beschädigt sind), so läuft die Image-Erzeugung einfach weiter und die Lesefehler werden auch nicht im Disk-Image vermerkt, obwohl das .d64-Imageformat dies unterstützt.

Manche DOS-Erweiterungen von Drittherstellen verwendeten mehr als die standardmäßigen 35 Spuren einer Diskettenseite (40 bis 42 Spuren). CBM-Command liest nur 35 Spuren. Sind mehr als 35 Spuren einer Diskette beschrieben, werden die Daten dieser Spuren nicht ins Disk-Image übertragen.

CBM-Command ist exzellent dokumentiert und verfügt über viele weitere Kommandos (z.B. zum Kopieren, Löschen, Umbenennen und Anzeigen einzelner Dateien).

Video
CBM-Command in Aktion

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